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Fachstudie „SedBiLa“

Bedeutung der Bílina als historische und aktuelle Schadstoffquelle für das Sedimentmanagement im Einzugsgebiet der Elbe

Die Povodí Labe, státník podnik (staatlicher Wasserwirtschaftsbetrieb der Elbe der Tschechischen Republik) wurde durch die BUE Hamburg mit einer Studie zur „Bedeutung der Bílina als historische und aktuelle Schadstoffquelle für das Sedimentmanagement im Einzugsgebiet der Elbe" beauftragt.

Ziel der Untersuchung ist die Bestimmung der Höhe des Risikos für die Gewässergüte im Grenzbereich der Elbe, das durch die Belastung der Sedimente im Untersuchungsabschnitt der Elbe und der Bílina verursacht sein könnte.

 

Direkt an dem Stauwehr ist auf einem hohen, steilen Felsen eine Burg zu erkennen

Freifließende Elbe unterhalb der Staustufe Střekov bei Ústí nad Labem mit der Burgruine Schreckenstein (Foto: R. Schwartz)

Die Bílina hat ihre Quelle an den Hängen des Erzgebirges, nördlich von Chomutov in der Höhe von 785 m ü. M. Sie fließt durch das Becken von Most zwischen dem Böhmischen Mittelgebirge und dem Erzgebirge Richtung Nordosten und mündet nach einer Fließstrecke von 71 km in Ústí nad Labem linksseitig am CZ-Elbe-km 70,0 in die Elbe.

Der Flussmündung liegt mitten in der Stadt, Ufermauern, Brücken, Industrie und Hochhäuser sind zu erkennen

Mündungsbereich der Bílina im Stadtgebiet Ústí nad Labem (Foto: R. Schwartz)

Das Einzugsgebiet der Bílina hat eine Fläche von 1.071 km². Es umfasst insbesondere in seinem unteren Teil ein Gebiet, das in der Vergangenheit durch menschliche Tätigkeit (Bergbau und Braunkohlenverarbeitung, Chemieindustrie, Energieproduktion, umfangreiche Änderungen hinsichtlich Charakter der Landschaft und Geländeaufbereitung, Deponien von Industrie- und Kommunalabfällen, Verbreitung der Besiedlung u.ä.) stark beeinflusst wurde.

Im Einzugsgebiet der Bílina wurden verschiedenste Ausbaumaßnahmen getätigt, zu denen u.a. der Korridor von Ervênice (Verrohrung und Überführung der Bílina unter dem Becken Újezd), der Korridor von Most (Überführung um den Bruch Ležáky), das Verlegen der Bäche Šramnický potok und Černický potok (Ableitung der Zuflüsse außerhalb der Grube ČSA, Einmündung in den Wasserlauf Loupnice) gehören.

Dicke Rohre verlaufen zwischen Bäumen und es gibt sogar Treppen die darüberführen

Verrohrter Abschnitt der Bílina im Oberlauf (Foto: R. Schwartz)

Die erhöhte Industrieansiedlung in der Region machte den Ausbau einer industriellen Wasserzuleitung erforderlich.

Es überrascht daher nicht, dass die Bílina der meistbelastete Fluss auf dem Gebiet der Tschechischen Republik ist.

Den gravierenden Umweltschädigungen wurde jedoch in den vergangenen Jahrzehnten nicht die entsprechende Aufmerksamkeit gewidmet, so dass das Einzugsgebiet der Bílina Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts zu den ökologisch meistbelasteten Gebieten in der Tschechischen Republik (der früheren Tschechoslowakei) gehörte. Die Belastung der Bílina war extrem hoch, was nicht nur die Gewässergüte sondern auch die Qualität der Sedimente beeinträchtigte. Alarmierend waren nicht nur die Werte der chemischen Grundparameter (gelöste und abfiltrierbare Stoffe, Sauerstoffkonzentration und -sättigung) sondern auch das erhöhte Vorkommen organischer chlorierter Schadstoffe (z.B. DDT, HCB, PCB) und Phenolstoffen sowie erhöhte Gehalte einiger Metalle (z.B. Quecksilber). Quellen für diese Verunreinigung waren die Chemiewerke Chemopetrol in Záluží bei Litvínov und Spolchemie in Ústí nad Labem, der Braunkohleabbau und die Gaswirtschaft. Die direkte Einleitung ungeklärter, industrieller und kommunaler Abwässer und der Einfluss unzureichend abgesicherter Deponien haben ebenso zu Verunreinigungen der Bílina und insbesondere ihrer Sedimente beigetragen.

Nur wenige Meter neben dem Fluss stehen alte Industriegebäude mit hohen Schornsteinen

Industrielle Altbauten an der Elbe bei Ústí nad Labem (Foto: R. Schwartz)

Bis heute lässt sich die starke Belastung der Bílina in ihren Sedimenten nachweisen. Die kontaminierten Sedimente stellen auch zukünftig ein potenzielles Umweltrisiko dar.

Bei erhöhten Abflüssen werden die belasteten Sedimente unkontrolliert flussabwärts verfrachtet und beeinträchtigen damit die Qualität des gesamten Abschnitts der tschechischen Elbe zwischen Ústí nad Labem und der deutsch-tschechischen Staatsgrenze.

Der Fluss erweitert hier seinen Bereich und überströmt das Ufer großflächig

Überströmte Seitenstrukturen an der freifließenden tschechischen Elbe zwischen Ústí nad Labem und Děčín mit Hochwassermarkierung (Foto: R. Schwartz)

2010 wurde im Grenzprofil Labe – Hřensko – Schmilka von deutscher Seite vorübergehend ein erhöhtes DDT-Vorkommen festgestellt, was die tschechische Seite bestätigte. Diese Befunde belegen, dass es im tschechischen Einzugsgebiet der Elbe noch immer eine potentielle aktuelle Schadstoffquelle geben muss, aus der, bei entsprechenden hydrologischen Bedingungen, Schadstoffe freigesetzt werden. In diesem Zusammenhang wurde 2011 eine Untersuchung durch die Tschechische Umweltinspektion unter Beteiligung des Staatsunternehmens Povodí Ohře vorgenommen.

Die Untersuchungsergebnisse bestätigten, dass die mögliche Kontaminationsquelle das Gebiet um den Zusammenfluss von Bílina und dem Bach Klíšský potok in der Gemarkung Ústí nad Labem ist. Gleichzeitig schien es sehr wahrscheinlich, dass neben der Menge an kontaminierten Sedimenten im Einzugsgebiet der Bílina, noch weitere Standorte mit belasteten Sedimenten an der Elbe im Abschnitt von Ústí nad Labem bis zur Staatsgrenze zu suchen sind.

Zusammenfluss mit ummauerten Uferbereichen, Straßenbrücken, Rohren und Industrieanlagen im Hintergrund

Zusammenfluss von Bílina und dem Bach Klíšský potok bei Ústí nad Labem (Foto: R. Schwartz)

Diese Tatsachen führten zum Vorschlag einer Erstellung der Studie „Bedeutung der Bílina als historische und aktuelle Schadstoffquelle für das Sedimentmanagement im Einzugsgebiet der Elbe". Im Rahmen der SedBiLa Studie erfolgte eine Untersuchung der Belastung von Schwebstoffen und Sedimenten im Einzugsgebiet der Bílina ab dem Wehr Jiřetín und der Elbe von Střekov bis zur tschechisch-deutschen Staatsgrenze. Insgesamt wurden 18 Standorte an der Elbe und neun Standorte an der Bílina untersucht.

Karte mit Elbe und ihrem Einzugsgebiet, die Bilina ist farbig hervorgehoben

Einzugsgebiet der Elbe (Quelle: BUE) - Zum Vergrößern bitte anklicken!

Durch eine Bestandsaufnahme in Kombination mit einer umfangreichen Recherche über bereits erfolgte Untersuchungen im Einzugsgebiet von Elbe und Bílina durch die Schlüsselpartnerinstitutionen - Karlsuniversität Prag, Wasserwirtschaftsunternehmen Povodí Labe, s.p. und das Wasserwirtschaftsunternehmen Povodí Ohře, s.p. - konnte eine Abschätzung der Sedimentmengen und die Untersuchung der Schadstoffbelastung in den ausgewählten Standorten erfolgen.

Karte der Stadt Usti, die auf beiden Seite in einer Windung der Elbe liegt.

Einmündung der Bílina in die Elbe im Stadtgebiet Ústí nad Labem (Quelle: OpenStreetMap) - Zum Vergrößern bitte anklicken!

Die Schätzung ergab, dass in den untersuchten Standorten ca. 20.700 m³ Sedimente liegen, wobei sich ca. 7.200 m³ im unteren Teil der Bílina und ca. 13.500 m³ im Einzugsgebiet der Unteren Elbe zwischen Ústí nad Labem und der Staatsgrenze befinden.

In den Sedimenten konnten erhöhte Konzentrationen der Stoffe As, Cd, Hg, Pb, HCH, HCB, PCB, DDT und PCBs nachgewiesen werden.

Große Sedimentablagerungen sind im Untersuchungsgebiet nicht im durchflossenen Flussbett anzutreffen, sondern in den Uferzonen und in der Umgebung der Leitwerke. Die Ablagerung dieser Sedimente ist unter normalen hydrologischen Bedingungen relativ stabil, ein Risiko des unkontrollierten Transports dieser Sedimente droht jedoch bei hohen Abflüssen, z. B. bei Überschwemmungen der Leitwerke.

In Kenntnis der Verortung kontaminierter Standorte einschließlich der Abschätzung des Risikos möglicher Sedimentremobilisierungen, konnten Maßnahmen in folgenden Bereichen abgeleitet werden:

  • Monitoring der zeitlichen Entwicklung der Schadstoffgehalte in ausgewählten Standorten
  • Ermittlung und Präzisierung der Sedimentmengen und ihre Remobilisierbarkeit
  • Durchführung einer Machbarkeitsstudie zu technischen Möglichkeiten der Sedimentbeseitigung einschließlich einer Kostenanalyse und Prüfung des rechtlichen Rahmens

Die Studie können Sie in Deutsch und Tschechisch herunterladen: